Lyrik im Tusculum

 

 

Zeitschmelze

Gabriele Sommer Lyrik und Helga Kölbl Collagen

Künstlerbuch in limitierter Auflage. 60 Seiten. 2014.


















Lupo di Mare

 

Wenn du nach langer Reise heimkehrst,

schwankt das gelöste Lachen in dir

leise nach im Wellengang der See,

die dich durchdrungen hat.

 

Was für ein Wind ist das!  Er trägt dich fort in fremdestes

Gebiet. Besessen folgst du dieser Strömung,

die mit großer Kraft ein unzerreißbares Gewebe

schafft - aus all dem, was die Flut

 

an Unbegreiflichem dir zuwirft,

und wenn du redest, sprichst du nicht von dir,

sondern von Salz, von unberechenbaren Stürmen

und Meerestieren, die noch keiner sah.




 

 

 

 














Sprich nicht


sprich nicht in diesen halben Worten zu mir

sie sagen weniger als nichts und nichts so wenig

wie das Dunkel das in großen Meeren leuchtet

 

komm - setz dich zu mir

lass uns beide schweigen

von dem was uns erfüllt und das nicht redet

 

dein Atem geht so leise fast als habe er

ein Leben nur geschwiegen sich geduldig

immer wieder fremden Worten anvertraut

 

die Stimmen aus den Meeren gingen dir verloren

im Krieg der Worte gegen das was in dir lebt

vom Lärm betäubt hörst du

 

vor lauter Hören deinen eigenen Atem nicht mehr

der dich selbst jetzt noch trägt

da du durch diese große Leere gehst


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